Impulsabend „Damenwahl“

Impulsabend „Damenwahl“

„Was diese Regierung getan hat, war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist“, sagte Marie Juchacz am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung, der ersten Rede, die eine Frau vor einem deutschen Parlament hielt.

Auf den Tag 100 Jahre später gab Katharina Nuß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Alzey-Worms, in ihrer Begrüßung zu der Veranstaltung „Damenwahl“ in Eppelsheim einen kurzen Abriss, was zwischenzeitlich bezüglich der Frauenrechte, insbesondere des passiven Wahlrechts passiert ist.

Ernüchtert von den 28 Prozent Frauenanteil im Kreistag hatte sie zusammen mit Ute Klenk-Kaufmann, der gastgebenden Ortsbürgermeisterin zu diesem überparteilichen Impulsabend eingeladen, dessen Format von vielen Teilnehmerinnen noch am Abend aber auch am nächsten Tag in den sozialen Medien ausdrücklich gelobt wurde.

Die Idee war es, Frauen vorzustellen, die entweder schon seit Jahren erfolgreich als Ortsbürgermeisterinnen tätig sind, oder solche, die sich schon in jungen Jahren engagiert in der Politik einbringen.

Diese sollten die Besucherinnen nicht nur kennenlernen, sondern auch zwanglos mit ihnen ins Gespräch kommen.

Nicht zuletzt erhoffe man sich aus diesen Begegnungen einen Aufwind für die Wahlen am 26. Mai. In einer Vorstellungsrunde hatte jede der
Damen Gelegenheit zu sagen, warum sie sich politisch engagierte.

„Es genügt nicht, sich zu beschweren, ohne selbst aktiv zu werden“, meinte beispielsweise Jaqueline Rehn, die in Hamm zur Bürgermeisterin kandidiert, und hatte mit dieser Auffassung die Unterstützung von Stephanie Jung, Nina Macher oder Jennifer Fröhlich.

Gestandenen Funktionsträgerinnen wie die Ortsbürgermeisterinnen Ute Beiser-Hübner, Annerose Kinder oder Elisabeth Kolb-Noack betonten den Gestaltungsaspekt ihrer Arbeit.

Zwei Gesprächsrunden schlossen sich an, in denen die an sechs Tische verteilten Politikerinnen den zahlreichen Besucherinnen Rede und Antwort standen. „Wie bekommen Sie Beruf, Familienleben und Ehrenamt unter einen Hut? Woher haben Sie die für Ihr Amt notwendigen Kenntnisse? Wo tanken Sie auf und bekommen Sie Unterstützung?“ wollten sie wissen.

Auch zahlreiche bekannte Gesichter aus der Männerwelt, die ausdrücklich zu der Veranstaltung willkommen waren, beteiligten sich ebenfalls gern an den Gesprächen.

Themenkarten, die die Organisatorinnen dort aufgestellt hatten, kamen kaum zum Einsatz, weil viele nur darauf gewartet hatten, endlich ihre Fragen loszuwerden, die sich auch auf konkrete Projekte bezogen,
wie das Hospiz in Eppelsheim, berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung oder Integration von Flüchtlingen.

Zwischendurch gab es rheinhessische Tapas, für die der örtliche Landfrauenverein gesorgt hatte.

Angefangene Sätze, die von den Politikerinnen zu Ende zu führen waren, zogen diese aus einer Zettelbox, sprachen über Netzwerke, Stress sowie Frauenbündnisse und -konkurrenz.

Da gab es auch manchen Rat zu hören.

„Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie beim ersten Mal nicht in den Gemeinderat kommen“, riet Ute Klenk-Kauf-mann.

„Fangen Sie früh mit Ihrer Arbeit an und bleiben Sie dran!“ „Warten Sie nicht, bis Sie jemand unterstützt“, stimmte Waltraud Fahl zu. „Geben Sie ihren Senf dazu und machen Sie, was Ihnen wichtig ist!“

Ein ausgelegter Flyer informierte über die verschiedenen Möglichkeiten des Wählens.

Interessant waren schließlich die Antworten auf die Frage nach dem politischen Frauen-Vorbild, bei dem der Name Malu Dreyer besonders häufig zu hören war, ebenso Claudia Roth, Rita Süßmuth, die Europa-Abgeordnete Ulrike Müller genannt wurden, aber auch Trumps Gegenspielerin Nancy Pelosi.

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